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VORTRÄGE Sommersemester 2008

 

15. Mai 2008

Dr. med. Reinhard Merker, Psychotherapeut, Psychoanalytiker

Das Unbewusste der Psychoanalyse: Sendungen, Kanäle, Wandler, Regelkreise

Kritische Anmerkungen zum Selbstverständnis psychoanalytischer Psychotherapie ab 1945

 

Das Unbewusste der Psychoanalyse ist geprägt von einer subjektivistischen Verleugnung der Mensch-Ding-Korrespondenzen. Kleinianische Wende, Objektbeziehungs- und Narzissmustheorie, neues Verständnis der Gegenübertragung kennzeichnen diesen Zusammenhang seit Beginn der Dritten Industriellen Revolution und sind verknüpft mit einer Teilhabe an gesamtgesellschaftlichen Phantasmen.

 

Reinhard Merker, Dr. med., Facharzt für Innere Medizin mit Zusatzbezeichnung Psychotherapie, Dozent für ärztliche Weiterbildung in Psychosomatischer Grundversorgung, Mediator, derzeit tätig als freier Schriftsteller, Organisationsberater und Psychotherapeut in eigener Praxis. Seit 1966 kritische Beschäftigung mit Fragen der phantastischen Massenkultur und der neueren deutschen Geschichte; Publikationsauswahl: Callenbachs Ökotopia (1981), Die bildenden Künste im Nationalsozialismus“ (1983), Standort Opposition. Fragen zur Evolution eines linken Bewusstseins (1999), Reklame für den schlechten Lauf der Dinge (2001), Einige Gedanken zu Technik und Psyche (2004).

 

 

12. Juni 2008

Hermann Stölb

Körperverdrängung

Über den Zusammenhang von Körper, Raum und Gewalt

 

Viele psychoanalytische Begriffe beziehen sich auf Körper und Raum: die psychische Topographie, die erogenen Zonen, Abwehrmechanismen wie Regression, Verschiebung und Verdrängung. Aber nicht nur die Psyche ist der Ort der Verdrängung. Auch der Körper verdrängt und wird verdrängt: In der sich weltweit ausdehnenden Marktwirtschaft werden die Räume für die Körper eng und enger. Das macht Angst, denn es mahnt an das Verschwinden der Körper nach dem Tod. In der Marktwirtschaft sind die Körper immer zu teuer und müssen daher verschwinden, wenn sie nicht zum Geschäftsmittel taugen. Die Produktion und viele Warenkörper entmaterialisieren sich. Auf der Grundlage des Todestriebs, der in der Pathognostik von Rudolf Heinz wesentlich als Todesabwehr verstanden wird, werden die Körper und ihre Räume ausgeweitet: im weltweiten Netz, durch Nahrungsmittel und Fitnesscenter, in Aggressionen und Kriegen. Damit kehrt sich die Abwehr des Todes um und beschleunigt die objektive „Todesnäherung“.

 

Hermann Stölb, Studium der Philosophie in Düsseldorf bei Rudolf Heinz, ist Gründungsmitglied von Psychoanalyse und Philosophie e. V. 

 

 

16. Juli 2008

Univ.-Prof. Dr. Rudolf Heinz

Kritik der Psychosomatik

 

Psychoanalytische Psychosomatik droht fast ausschließlich als Psychosupport bei gravierenden Organerkrankungen zu verkommen – nichts aber gegen solche Konsiliardienste, wenn sie sich nur nicht psychosomatisch heißen. Marginal noch toleriert im differentialdiagnostisch besonders abgesicherten Falle konversionshysterischer Störungen, wurde sie ihrer ehemaligen Hauptreferenzen, der klassischen psychosomatischen Pathologien (insbesondere Asthma bronchiale, Colitis ulcerosa, Ulcus pepticum), weitestgehend epochengemäß enteignet.

 

Schwerlich aber geht es dawider an, das gängige Theorem Konversionshysterie weiterhin explanativ zu generalisieren – selbst schon die Masse Prävention auf den Plan rufender, hausgemachter eigenverschuldeter Krankheiten gehorcht diesem nicht –, vielmehr bedürfte es der nachdrücklichen Rück- und Neubesinnung auf diejenige nicht mindere organische Sinnhaftigkeit, auf das dem psychischen und dinglichen homogene körperliche Unbewusste, wie es in der phänomenologischen, daseinsanalytischen/existentialontologischen und unserer pathognostischen Psychopathologie vorgebildet und bereits fortgeschrieben erscheint. Entsprechend am Anfang müsste die Genealogie des Organismus stehen, nicht weniger auch derselbe Aufschluss apparativer und biochemischer Therapieinterventionen sub auspicie des todestriebdurchsetzten Leib-Dingverhältnisses.

 

Rudolf Heinz, Dr. phil., Universitätsprofessor i. R. an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf; psycho­ana­ly­tische Ausbildung, psychiatrische Tätigkeit; Konzeption der psychoanalyse-kritischen Pathognostik; Vorstands­mitglied der Akademie für Psychoanalyse und Psychosomatik Düsseldorf e.V.; Erster Vorsitzender von Psychoanalyse und Philosophie e.V.; zurzeit Gastwissenschaftler an der Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf / Rheinische Kliniken; zahlreiche Fachpubli­ka­tionen, unter anderem: Pathognostische Studien Band I-IX; Logik und Inzest Vol. I-III; Retro. Band I-III; Traum-Traum 1999; Todesnäherungen; Hype-Thinking; Prämatura; Einstände und viele andere mehr.

 

SEMINARE Zur Theorie der Pathognostik

 

Gertrud Lettau, M. A.

Philosophie der Hysterie

Haltlos zwischen Manie und Pseudologie


PD Dr. Christoph Weismüller

Der Todestrieb in Sexualität, Psychopathologie, Arbeit und Technik